Genitalverstümmelung bei Jungen und Männern:
Anmerkungen zu einem Tabuthema
In vielen Ländern, vor allem asiatischen und afrikanischen, ist es üblich, dass Kinder und Jugendliche - uralten Traditionen folgend - in einem gewissen Alter an ihren Genitalien beschnitten werden. In den letzten Jahren nimmt der weltweite Widerstand gegen diesen Brauch immer mehr zu. Eine Vielzahl internationaler Organisationen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung in den ärmeren Ländern der Welt, aber auch in den Industriestaaten darüber aufzuklären, dass es sich bei der Genitalverstümmelung um einen schmerzhaften, traumatisierenden und völlig unnötigen Eingriff in die Gesundheit junger Menschen handelt. So informiert etwa Eva Luise Köhler, Ehefrau des Bundespräsidenten Horst Köhler, in ihrer Eigenschaft als UNICEF-Schirmherrin die Öffentlichkeit über die Beschneidung junger Frauen.
Wohlgemerkt: ausschließlich junger Frauen. Die Berichterstattung über Beschneidung in den Medien erweckt beim Betrachter den Eindruck, als sei von dieser schmerzhaften Tradition ausschließlich der weibliche Teil der Menschen in den jeweiligen Ländern betroffen. Dass Jungen und junge Männer ebenfalls beschnitten werden, nicht minder häufig als Frauen und Mädchen, findet nur sehr selten überhaupt Erwähnung. Wenn doch, wird meistens behauptet, dass die Umstände, unter denen diese Eingriffe stattfinden, sowie deren Folgen bei männlichen Jugendlichen nicht mit dem zu vergleichen seien, was die weiblichen Opfer mitmachen müssten. Nur selten wird hervorgehoben, dass die Beschneidung der Genitalien bei männlichen Jugendlichen genauso schmerzhaft, demütigend und überflüssig ist wie bei weiblichen.
Mit den nachfolgenden Ausführungen möchten wir darüber aufklären, was es mit der Beschneidung junger Männer auf sich hat und den Gründen nachgehen, warum sich kaum jemand für das interessiert, was sie durchmachen müssen, während alle Welt das Leid der weiblichen Opfer beklagt.
Die Genitalverstümmelung bei Jungen und Männern
Genitalverstümmelung bei Jungen und Männern (auch als Zirkumzision bezeichnet) bedeutet konkret die komplette oder teilweise Entfernung der Vorhaut des Penis. Meistens wird dieser extrem schmerzhafte operative Eingriff ohne Betäubung vorgenommen. In den USA z.B., wo noch heute ca. 57% aller männlichen Neugeborenen kurz nach der Geburt routinemäßig beschnitten werden (mit fallender Tendenz), verwendet die Mehrzahl der Ärzte, die den Eingriff vornimmt, keine Schmerzmittel oder nimmt den Eingriff unter der hierfür unzureichenden lokalen Betäubung vor, obwohl Neugeborene genauso schmerzempfindlich sind wie Erwachsene.
Weit verbreitet ist die Beschneidung bei Jungen und Männern darüber hinaus vor allem im Judentum, in islamischen Ländern (im Kindesalter) und in Afrika. Steven Svoboda, ein an der US-Universität Harvard ausgebildeter Anwalt für Menschenrechte, schätzt, dass Jungen und Männer sechsmal so häufig Opfer von Genitalverstümmelung sind wie Mädchen und Frauen.
So wie die weibliche Variante der Genitalverstümmelung (Entfernung von Schamlippen und teilweise auch der Klitoris) von den weiblichen Mitgliedern der Gesellschaft - gerade in matriarchalisch geprägten Kulturen - aus Gründen der Traditionsbewahrung aufrechterhalten und auch ausgeführt wird, so nehmen Männer die Beschneidung der Vorhaut bei den Jungen vor. Oft benutzen sie dabei primitive Werkzeuge wie Scherben, Messer oder Rasierklingen, die naturgemäß ein beträchtliches Infektionsrisiko beinhalten.
Ziel jeglicher Form der Genitalverstümmelung ist, unabhängig vom Geschlecht des Opfers, die Kontrolle der Sexualität, d.h. im Besonderen die Vermeidung oft als unerwünscht betrachteten sexuellen Lustempfindens (speziell bei Jungen der Masturbation), und die Festlegung auf die von der Gesellschaft gewünschte Geschlechterrolle. So gilt die Beschneidung in afrikanischen Ländern in erster Linie als Initiationsritus bei Jugendlichen in der Pubertät. Die Fähigkeit, den mit ihr einher gehenden Schmerz aushalten zu können, gilt in vielen Stämmen als Voraussetzung zur Mannwerdung. Oft ist sie Voraussetzung dafür, überhaupt eine Frau zu bekommen, da die Frauen Wert darauf legen, einen Mann zu ehelichen, der diese Tortur über sich hat ergehen lassen.
Für die Beschneidung von Jungen und Männern gibt es daneben noch andere Begründungen:
- hygienische Gründe: "In den Regionen, in denen seit Jahrtausenden am kleinen Freund herumgeschnitten wird, herrscht oft Wassermangel. Entsprechend schwierig gestaltete sich die regelmäßige Reinigung, und Stammesführer Abraham, so wird vermutet, wählte die effektivste Methode, Erkrankungen vorzubeugen, die sich im immerfeuchten Mikrobenbiotop unter der Vorhaut anbahnen können." ("Mit Geduld und Stahl", aus "Die Zeit" 48/1998)
- religiöse Gründe: für Juden bedeutet die Beschneidung seit alters her ein Zeichen ihres Bundes mit Gott. Im Islam, wo sie fast durchgehend praktiziert wird, wird sie in der Sunna erwähnt, jedoch nicht als Pflicht, sondern lediglich als Empfehlung.
- gesundheitliche Gründe: neben der Vermeidung von Selbstbefriedigung, die man in früheren Zeiten zu Unrecht als Quelle aller möglichen Krankheiten ansah, galt die Entfernung der Vorhaut, wie der schweizer Art Dr. Tissot im 18. Jahrhundert es propagierte, auch als Mittel gegen "jugendliche Rebellion", Epilepsie, Hysterie und Neurosen. ("Genitale Verstümmelung bei Jungen und Männern - Gründe und Hintergründe", Broschüre des VAfK Augsburg-Schwaben, 2004, S. 7)
Beschneidung: unnötig und gefährlich
Kein einziger der angeblichen Vorteile der Beschneidung hält einer medizinischen Prüfung stand. Die Zirkumzision dient weder der Hygiene noch, wie gelegentlich auch behauptet wird, der Vorbeugung von Peniskrebs. Bei Verengungen der Vorhaut (Phimosen), die sich durch Dehnen der Haut nicht beheben lassen, wird die Vorhaut lediglich gekürzt, wobei die Eichel idealerweise immer noch von einem Vorhautanteil bedeckt ist (partielle Zirkumzision). Eine vollständige Zirkumzision käme lediglich bei ausgedehnten entzündlichen Veränderungen der Vorhaut in Frage.
Wie bei jedem operativen Eingriff, kann es auch bei der Zirkumzision zu Risiken kommen: Blutungen, Entzündungen, irreparable Verletzungen des Penis. Allein die Anzahl der Narkoseunfälle bei der Beschneidung von Babys in den USA wird auf mehrere hundert pro Jahr geschätzt. Weil die Säuglinge während des Eingriffs entweder gar nicht oder nur lokal betäubt werden, kann es passieren, dass das Baby hierdurch möglicherweise einen Schock erleidet, durch den es vorübergehend in einen komatösen Zustand fällt und der zu neurologischen Spätfolgen führen kann
(http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision).
Die Beschneidung bedeutet für das Baby in jedem Fall einen extrem schmerzhaften und damit oft genug traumatisierenden Eingriff, der lebenslange psychische Spätfolgen haben kann. In Dritte-Welt-Ländern, wo die Beschneidung männlicher Jugendlicher unter Umständen und mit Werkzeugen vorgenommen wird, die keinerlei medizinischen Standards genügen, kommt es regelmäßig sogar zu Todesfällen infolge der Genitalverstümmelung.
Weniger dramatisch, aber für die Betroffenen unangenehm: die Abtrennung einer der empfindlichsten, d.h. mit besonders vielen Nervenenden besetzten, Stellen der Haut führt laut Studien des französischen Urologen Gerard Zwang dazu, dass "ein Organ frei- und damit trockengelegt (wird), das als inneres Organ gedacht sei: die Penisspitze mit ihrer weichen, feuchten, hochempfindlichen Oberfläche. Die Drainage der Eichel führe zu einem desensibilisierten Penis, zu verminderter Gleitfähigkeit, zu Spannungsgefühlen bei der Erektion und letztlich zum Teilverlust des sexuellen Spaßes." ("Die Zeit", a.a.O.)
"Das wichtigste Argument gegen Beschneidung von Minderjährigen darf hier nicht außer Acht gelassen werden: Es ist ganz klar, dass dabei eine wichtige Entscheidung, die Auswirkungen u. a. auf die Sexualität hat, von Anderen getroffen wird, als dem Betroffenen selbst. In allen vergleichbaren Fällen (z. B. weibliche Beschneidung) herrscht weitgehender Konsens darüber, dass solche Praktiken unterbunden und ggf. bestraft werden sollten. Nur bezüglich der männlichen Beschneidung herrscht meist eine erstaunliche Toleranz und Akzeptanz. Erklären lässt sich diese ambivalente Sichtweise der Beschneidung abhängig vom Geschlecht wohl nur damit, dass Wissen über die Funktionen der Vorhaut wenig verbreitet ist, so dass viele (insbesondere Personen, die gar kein solches Körperteil haben, nämlich Frauen) glauben, eine Beschneidung bedeute keinen Verlust." (VAfK-Broschüre "Genitale Verstümmelung bei Jungen und Männern", a.a.O., S. 15)
Mit zweierlei Maß gemessen
In der Tat herrscht in Bezug auf die Beschneidung eine Sichtweise vor, die zwischen männlichen und weiblichen Opfern erhebliche Unterschiede macht: während das Interesse von Politik, Öffentlichkeit und Medien am Leid der beschnittenen Mädchen beträchtlich ist, finden die gleichermaßen betroffenen männlichen Opfer nur sehr wenig Anteilnahme. Das mag tatsächlich darin begründet liegen, dass das Wissen über die männlichen Genitalien einige Lücken aufweist. Hinzu kommen noch weitere gewichtige Gründe:
- Frauen und Mädchen als den körperlich Schwächeren fällt eine fast schon natürliche, in der Gesellschaft daher weithin akzeptierte Rolle als Opfer zu. Weil sie sich körperlich nicht so gut gegen Übergriffe Stärkerer wehren können, gelten sie als besonders schutzbedürftig. Von Jungen und Männern wird dagegen viel eher verlangt, die Zähne zusammen zu beißen, Schmerz zu ertragen "wie ein Mann". Offensichtlich gehört dazu auch die Vorstellung, das Beschneiden ihrer Vorhaut sei für sie ein vergleichsweise harmloser Eingriff. Hier offenbart sich ein regelrecht altbackenes Geschlechterverständnis: während man Frauen nach wie vor das Recht zugesteht, wegen erlittener Demütigung und Schmerz ausgiebig zu klagen, haben Männer die selben Angriffe auf ihre körperliche und seelische Unversehrtheit stoisch zu ertragen.
- Die klassische weibliche Opferrolle widerspricht zwar dem Verständnis von der selbstbewussten, mit beiden Beinen im Leben stehenden, dem Mann ebenbürtigen modernen Frau, lässt sich aber dennoch vom Feminismus ideal für dessen Zwecke instrumentalisieren. Die Hervorhebung der Frau als Opfer dient nicht nur dazu, einen künstlichen Gegensatz der Geschlechter zu konstruieren (wenn Frauen Opfer sind, sind Männer demnach zwangsläufig Täter), mit dem sich das "Patriarchat" bekämpfen lässt. Auch finanziell ist diese Opferrolle von Vorteil, sichert sie doch den Erhalt und den weiteren Aufbau der feministischen Infrastruktur, indem sie jegliche erdenkliche Hilfe und Unterstützung für Frauen legitimiert. Ähnlich wie häusliche Gewalt, dient auch die Genitalverstümmelung als klassisches Beispiel für die Opferrolle der Frau. Um diese zu "belegen", blendet man hier wie dort sowohl weibliche Täter als auch männliche Opfer einfach aus. Sie passen nicht ins gewünschte Bild.
- Frauen lieben angeblich beschnittene Männer. Wie lifeline.de vermeldet, fanden nach einer 1988 veröffentlichten Studie 90 Prozent der US-amerikanischen Frauen "beschnittene Penisse hygienisch und richtig sexy". Auf Seiten wie womenweb.de wird sogar richtig gehend Reklame für die Beschneidung gemacht: Unter Überschriften wie "Beschneidung - das kleine Extra am Mann" findet sich z.B. die Aussage: "Einige beschnittene Männer behaupten, ihr Orgasmus sei intensiver als vor der Beschneidung und sie hätten beim Sex mehr Ausdauer." Die längst widerlegten Gründe, die angeblich für die Beschneidung sprechen (siehe vorheriger Abschnitt), werden als Argumente ins Feld geführt, und am Ende heißt es gar: "Übrigens lässt sich die als 'Beschneidung' bezeichnete Verstümmelung von Frauen nicht mit der Beschneidung des Mannes vergleichen. Schließlich wird beim Mann nur die Vorhaut, nicht die Eichel abgetrennt, was der Entfernung der Klitoris entspräche." Dass die Abtrennung der Vorhaut, bei vollem Bewusstsein vorgenommen, genau so schmerzhaft ist wie die Entfernung der Schamlippen, scheint in diesem Zusammenhang nicht weiter von Belang zu sein.
Auch das Gesetz misst vielerorts mit zweierlei Maß: die Beschneidung weiblicher Kinder und Jugendlicher wird in Deutschland und vielen anderen westlichen Ländern als schwere bzw. gefährliche Körperverletzung verfolgt. Eine Täterin oder ein Täter kann gemäß § 226 StGB zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren verurteilt werden. Hingegen wird die Beschneidung von männlichen Kindern und Jugendlichen in Deutschland juristisch nicht verfolgt. (VAfK-Broschüre "Genitale Verstümmelung bei Jungen und Männern", a.a.O., S. 53)
Anderswo ist man da schon weiter: in Finnland kann ein männlicher Säugling nur dann beschnitten werden, wenn dem beide Elternteile zustimmen. In Schweden trat am 1.10.2001 ein Gesetz in Kraft, das Beschneidung ohne medizinische Begründung bei Jungen, die älter als zwei Monate sind, verbietet. Beschneidungen an jüngeren Säuglingen dürfen nur noch unter Betäubung vorgenommen werden. Schweden ist damit das erste Land in der Welt, das solche rituellen Beschneidungen an Jungen per Gesetz einschränkt.
Genitalverstümmelung = Männerherrschaft?
Die gängigen Muster der Empörung über Gewalt gegen Frauen, wie feministische Kreise sie bei Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch oder häuslicher Gewalt gerne anwenden, finden sich auch beim Engagement gegen Genitalverstümmelung unverändert wieder: Christa Müller, Lebensgefährtin von Oskar Lafontaine und Schirmherrin der Initiative Intact, nennt die Beschneidung von Frauen ein Zeichen für Männerherrschaft; Carol Bellamy, UNICEF-Direktorin, sieht in ihr ein Symbol für Frauenhass und eine rituelle Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Laut Frauenrechtsorganisation "Terres des femmes" geht es bei der Genitalverstümmelung an Frauen "um die Kontrolle weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit im Rahmen männlicher Machtansprüche".
Wenn Frauen solchermaßen gedemütigt, entstellt und misshandelt werden, wie dies bei der Beschneidung der Fall ist, dann kann der Schuldige, folgt man dem bestens bekannten Ritual der Empörung und Anklage in feministischen Kreisen, eigentlich nur ein Mann sein. Man darf also vermuten, dass alle jene Initiativen und Organisationen, die sich die Bekämpfung der Beschneidung von Mädchen und Frauen auf die Fahne geschrieben haben, von der Schilderung des Leids, das die Opfer ertragen müssen, nahtlos übergehen zur Benennung der Täter und hierzu die Männer an den Pranger stellen.
Doch weit gefehlt. Während ausführlich geschildert wird, was die weiblichen Opfer alles ertragen müssen, finden die Täter nur am Rande Erwähnung, bleibt die laute Anklage gegen die Menschen, die anderen Menschen so etwas Abscheuliches antun, weitgehend aus. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt auf der Hand: es sind die Frauen, die die Beschneidungen vornehmen. Dieser Umstand wird allerdings nur selten deutlich erwähnt. So stellt etwa UNICEF Deutschland auf seiner Internetseite das Projekt "Aufbruch gegen Mädchenbeschneidung" vor, schildert hierbei, auf welche Weise und wie häufig diese Beschneidung vorgenommen wird, erwähnt aber mit keinem Wort, dass es Frauen sind, die dies tun. Auch "Terres des femmes" verschweigt diese Tatsache, "Intact" erwähnt sie immerhin, wenn auch eher beiläufig.
Man gewinnt unvermeidlich den Eindruck, dass so die Täterschaft der Frauen bewusst ausgeblendet und der Eindruck erweckt werden soll, dass Männer die Täter seien. Diffuse Formulierungen wie "männliche Machtansprüche" und "Männerherrschaft" sollen diesen Eindruck stützen. Von direkter oder indirekter männlicher Täterschaft kann jedoch nicht die Rede sein, stellt die Anthropologin Sir Galahad fest: "Gerade in den alten, mächtigen Matriarchaten wurde die Operation von Frauen an Frauen ausgeführt und ist heute noch gerade bei Mutterrechtsvölkern typisch". Und weist darauf hin, dass es vor allem Männer waren, die im Laufe der Geschichte dafür sorgten, dass Beschneidung verboten wurde, z.B. katholische Priester. ("Mütter und Amazonen. Ein Umriss weiblicher Reiche", Berlin 1962)
Die Ehrlichkeit gebietet es, die Täter zu benennen: die Beschneidung von männlichen Jugendlichen wird in der Regel von Männern ausgeübt, diejenige von weiblichen Jugendlichen von Frauen. Wer diesen Umstand verschweigt, muss sich die Frage gefallen lassen, wie seriös sein Engagement gegen Genitalverstümmelung ist.
Schlussbemerkungen
Menschenrechte sind unteilbar. Sie gelten für Jungen wie für Mädchen, für Männer wie für Frauen. Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wo diese willkürlich verletzt wird, wie bei der Beschneidung der Genitalien von Jungen und Mädchen, ist es nur zu begrüßen, dass Menschen sich gegen eine solch grausame Tradition engagieren.
Dass jedoch allenthalben, selbst von Seiten der Vereinten Nationen, in Bezug auf Genitalverstümmelung mit zweierlei Maß gemessen wird, dass die Beschneidung weiblicher Genitalien weltweit strengstens angeprangert, diejenige männlicher Genitalien jedoch oft nicht einmal erwähnt wird, ist nicht vernünftig zu begründen, stellt zudem eine Herabsetzung der männlichen Opfer dar.
Oft wird - nicht zu Unrecht - die Frage aufgeworfen, ob Menschen aus dem westlichen Kulturkreis überhaupt das Recht haben, sich in die Bräuche ihnen fremder Kulturen einzumischen, ihnen ihre Wertmaßstäbe gewissermaßen aufzuzwingen. Bei dem Engagement gegen Genitalverstümmelung fließen außerdem auch noch westlich-feministische Beurteilungskriterien mit ein, die die Opfer in eine bedauernswerte weibliche und eine vernachlässigenswerte männliche Untergruppe unterteilen. Eine solche Denkweise dürfte den Menschen in den Ländern der "Dritten Welt" fremd sein. Ob der Kampf gegen die Genitalverstümmelung unter solchen Umständen erfolgreich sein wird?
Weiterführende Informationen
http://members.aol.com/pillcock/ Offizielle Homepage von NOCIRC of Germany, deutschsprachig
http://www.nocirc.org/ Englischsprachige Homepage von NOCIRC
http://www.noharmm.org/ Initiative gegen männliche Genitalverstümmelung (englischsprachig)
http://www.circumcision.org/ Englischsprachige Internetseite des Informationszentrums über Beschneidung
http://www.maennerrat.de/beschneidung.htmhttp://www.vafk-schwaben.de/downloads/Beschneidung.pdfhttp://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzisionhttp://www.geburtskanal.de/Wissen/B/Beschneidung.php Informationen über die Beschneidung von männlichen Säuglingen
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