Offener Brief zum Vatertag an Ministerin von der Leyen von MANNdat
und VAfK Ortsverein Euregio-Aachen vom 08. Mai 2007

Erschwernisse für aktiv erziehende Väter in Deutschland



Sehr geehrte Frau Ministerin,

anlässlich des Vatertags möchten wir vom Verein MANNdat e.V. und der Ortsverein Euregio-Aachen e.V. des Väteraufbruch für Kinder e.V. (VAfK) bei Ihnen als zuständige Ministerin kritisieren, dass Vätern in Deutschland noch überflüssige Steine in den Weg gelegt werden, wenn sie sich mehr der Erziehungsarbeit widmen möchten.

Der Staat geht hierbei mit schlechtem Beispiel voran. In seinen Gleichberechtigungsgesetzen (Bundesgleichstellungsgesetz, Landesgleichberechti-
gungsgesetze, Chancengleichheitsgesetze) wird die berufliche Förderung vorrangig am weiblichen Geschlecht festgemacht und nicht an der tatsächlich geleisteten Erziehungsarbeit. Damit wird der – angeblich so gewünschte - aktiv erziehende Mann, also der Mann, der tatsächlich auch Elternurlaub nimmt oder wegen Kindererziehung in Teilzeit arbeitet, in doppelter Hinsicht benachteiligt. Er wird benachteiligt durch die beruflichen Ausfallzeiten und er muss zudem laut Gesetz noch wegen seines Geschlechtes bei Einstellung und Beförderung diskriminiert werden.

Wäre in diesen Gesetzen die berufliche Förderung nicht am Geschlecht, sondern an der tatsächlich geleisteten Erziehungsarbeit festgemacht, würden aktiv erziehende Frauen und aktiv erziehende Männer gleichermaßen profitieren. Nach den geltenden Regelungen kann es jedoch passieren, dass ein männlicher Berufsrückkehrer nach seinem Elternurlaub bei gleicher Qualifikation bei Einstellung und Beförderung gegenüber einer Frau, die sich für einen kinderlosen Lebensweg entschieden hat, das Nachsehen hat. Für eine nachhaltige Geschlechtergerechtigkeit ist dies ein unzeitgemäßes Hindernis.

Seit jeher wird Männern die Versorgerrolle in der Familie zugeschrieben. Eine Rollenzuweisung, die heute künstlich durch den Gesetzgeber aufrecht erhalten wird. Durch Gesetze, die aktiv erziehende Väter zu Verlierern machen. Durch Gesetze, in denen das Sorgerecht für Väter vom Gusto der Mutter abhängig gemacht wird. Durch Gesetze, die Väter im Umgang mit ihren Kindern dermaßen diskriminieren, dass selbst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dies bemängelt.

Männern bleibt somit seit Jahrzehnten und Jahrhunderten die Aufgabe, die Familie zu versorgen. Es gibt genügend Männer, die unliebsame Arbeiten nur deshalb übernehmen, um den Lebensunterhalt für ihre Familie zu sichern. Vätern diese von Gesetzen und Rechtsprechung zugewiesene Rolle als Privileg vorzuwerfen, ist nicht gerechtfertigt.

Mittlerweile gibt es eine breite Väterlobby, in der Sie Väter finden, die erziehen wollen, aber nicht erziehen dürfen. Einen Dialog zwischen Ihnen und dieser Väterlobby, wie es z.B. im Landesfamilienministerium von Nordrhein-Westfalen mit dem Väteraufbruch für Kinder schon geschehen ist, gab es bislang nicht. Ein solcher Dialog ist für eine moderne Familienpolitik, zum Wohle von Kindern, Vätern und Müttern, jedoch dringend erforderlich.

Mit freundlichen Grüßen


i.A. Dr. Bruno Köhler
MANNdat e.V.

Roger Lebien
VAfK Ortsverein Euregio-Aachen e.V.

 

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